Marktkommentar
MARKTKOMMENTAR: Preisentwicklung von Solarmodulen
Hier finden Sie die komplette Sammlung aller Artikel zur Preisentwicklung von Solarmodulen sowie Kommentaren zur PV-Marktentwicklung, die ebenso in Fachzeitschriften wie zum Beispiel dem pv magazine oder der photovoltaik sowie auf Online-Plattformen wie dem Solarserver oder EUWID Energie veröffentlicht werden.
Die Überwachung der Preisentwicklung von Solarmodulen ist von entscheidender Bedeutung für Investoren, Hersteller und andere Akteure in der Solarenergiebranche. Ein fundiertes Verständnis der Markttrends ermöglicht es, Chancen optimal zu nutzen und richtungsweisende Entscheidungen zu treffen.
Als eine Möglichkeit, über die PV-Preisentwicklung und andere wichtige Trends informiert zu bleiben, bietet der pvXchange Solarshop einen monatlichen Marktbericht an. Dieser Bericht liefert regelmäßig aktualisierte Informationen und Analysen, um den Lesern ein umfassendes Bild des Solarmarktes zu vermitteln und sie bei ihren Entscheidungen zu unterstützen. Zusätzliche Informationen über die Entwicklung des PV-Marktes erhalten Sie zudem in unserem Photovoltaik-Preisindex.

PV-Experte Dipl.-Ing. Martin Schachinger
Managing Partner | Business Development
Gründer und Geschäftsführer Martin Schachinger beschäftigt sich seit bald 30 Jahren mit Photovoltaik. Seit 2008 erhebt er regelmäßig Modulpreise und schreibt Marktkommentare, die ihn zu einem gefragten Experten in der internationalen Solarbranche gemacht haben.
Von Mitte Juli zu Anfang August haben die Preise - vielleicht ein letztes Mal in diesem Jahr - auf breiter Front nachgegeben. Die Anzeichen verdichten sich nämlich, dass der Preisverfall der vergangenen Monate bald ein Ende haben wird. Für das 4. Quartal kündigen fast alle Hersteller Preiserhöhungen im Bereich von 1 bis 2 Cent pro Watt an oder geben bereits angepasste Preislisten aus. Wer allerdings glaubt, momentan noch preiswerte Module in beliebigen Mengen zur kurzfristigen Lieferung einkaufen zu können, der dürfte enttäuscht werden.
Bereits im März 2019 berichtete ich erstmals von der vom Modulhersteller Hanwha Q-Cells auf 3 Kontinenten eingereichten Patentrechtsklage gegen die Konkurrenten Longi Solar, JinkoSolar und REC. Damals war noch nicht klar, ob die Klage überhaupt zugelassen wird und was genau sie bezweckt. Etwas mehr als ein Jahr später kam es nun zu ersten Urteilen. Diese fielen in den USA gegen, in Deutschland jedoch zugunsten der Klägerin aus. Das Landgericht Düsseldorf hatte die unrechtmäßige Nutzung der patentierten Technologie durch die Konkurrenten in erster Instanz bestätigt.
Nachdem die Corona-Krise zumindest dem deutschen Solarmarkt nicht besonders viel anhaben konnte, scheinen nun auch die letzten Hürden niedergerissen zu sein, die einem dringend benötigten Photovoltaikboom im Wege stehen. Am 18. Juni in den Abendstunden war es endlich soweit - der deutsche Bundestag beschloss die Streichung des 52-Gigawatt-Deckels für die Photovoltaik aus dem EEG. Zwar fehlte noch die gleichlautende Bundesratsentscheidung, doch die ist in der Regel reine Formsache. Dennoch reagierte die Branche noch verhalten auf die guten Neuigkeiten.
Vor einigen Monaten stellte ich in meiner Analyse die Frage: Erobern jetzt bifazialen Module den Markt? Ein anderes Mal gab ich zu bedenken, dass es einen Generationswechsel zwischen Vollzellen- zu Halbzellenmodulen gibt. Nun, beide Trends scheinen Vorboten dessen gewesen zu sein, was aktuell an technologischer Weiterentwicklung im Gange ist. Fortschritt will ich es nicht direkt nennen, da die von den großen asiatischen Herstellern getriebene Entwicklung durchaus auch kritische Punkte beinhaltet, aber dazu später.
Seit Jahren machen sich viele Akteure innerhalb der Erneuerbare-Energien-Branche Gedanken, wie in Deutschland mit Anlagen umzugehen ist, die nach 20 Jahren Betriebsdauer aus der gesetzlich festgeschriebenen Vergütungsregelung herausfallen. Natürlich soll vermieden werden, dass nach und nach viele noch einwandfrei laufende, weil gut gewartete Erzeuger vom Netz gehen.
Sind wir mal ehrlich: die Corona-Pandemie hat einen vielfach größeren positiven Impact auf den weltweiten CO2-Ausstoß als ein ganzes Jahr Freitagsdemonstrationen und politische Arbeit der Ökologiebewegung zusammen. Hat nun aber das Coronavirus tatsächlich die Kraft, große wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen zu veranlassen?
Nach den verheerenden Waldbränden in Australien dominiert jetzt die Ausbreitung der COVID-19 genannten neuartigen Lungenkrankheit in China und mittlerweile vereinzelt auch in Europa die tägliche Berichterstattung in den Medien. Nun mögen wir alle schon etwas übersättigt sein von diesen schrecklichen Nachrichten, aber die Auswirkungen auf die Solarwirtschaft sind leider traurige Realität und beginnen gerade erst, ihr ganzes zerstörerisches Ausmaß zu offenbaren.
Einmal mehr wird die Zukunft der Photovoltaik in Deutschland durch die Verzögerungstaktik der Bundesregierung torpediert, werden einmal mehr die noch existierenden Solarfirmen auf eine harte Belastungsprobe gestellt, einmal mehr leichtfertig zahlreiche Arbeitsplätze auf’s Spiel gesetzt.
Insgesamt blicken wir an diesem Jahresende auf ungewöhnlich ruhige letzte Wochen zurück, ganz ohne Hektik im Photovoltaikmarkt und der bisher häufig zu beobachtenden Torschlusspanik. Für 2020 sind demzufolge auch noch keine signifikanten Preissenkungen in Sicht – wir werden also in den kommenden Monaten auf die Marktentwicklung schauen und abwarten müssen, ob und in welche Richtung sich etwas bewegt.
Wenn man unseren Politikern Glauben schenkt, dann ist die Energiewende in vollem Gange, der Umbau unseres Energie- und Wirtschaftssystems an Radikalität und Geschwindigkeit kaum zu überbieten. Es wird so viel reformiert, so viel bewegt – mehr geht wirklich nicht! Doch die Realität zeichnet ein ganz anderes Bild. Selbst den großen Energiekonzernen, einst die Bremser vor dem Herrn, ist das Tempo, welches die amtierende Bundesregierung vorgibt, mittlerweile zu lahm. Sie beginnen damit, die Geschwindigkeit des Umbaus selbst vorzugeben und sich zügig auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Energie nur noch rein regenerativ erzeugt und emissionsfrei verbraucht wird. Klimaziele hin oder her, ihnen geht es um eine Überlebensstrategie in einem disruptiven Markt.
Was uns aktuell nicht nur in Deutschland wirklich fehlt, dazu komme ich gleich noch. Zunächst möchte ich darauf eingehen, was uns nicht fehlt, nämlich: Solarmodule. Entgegen der noch Mitte des Jahres ausgesprochenen Prognosen einiger Analysten gibt es keinen Solarboom in China und keine extreme Aufholjagt bei den Installationszahlen. Statt der erwarteten Neuinstallationen im Bereich von 25 bis 30 Gigawatt im zweiten Halbjahr wird jetzt mit weniger als 20 Gigawatt gerechnet.
Bifaziale Module sind schwer im Kommen - diesen Eindruck erhält man zumindest, wenn man den Herstellern von Produkten mit Zellen, die sowohl eine aktive Vorder- als auch eine aktive Rückseite zur Energieerzeugung besitzen, Glauben schenkt. Auf der intersolar Europe 2019, der diesjährigen Leitmesse für Photovoltaik in München, waren an fast jedem Stand eines größeren Modulherstellers entsprechende Ausstellungsstücke zu finden. Man überbietet sich seitdem mit den Leistungen, die allein die Frontseite unter optimalen Bedingungen abzugeben vermag und addiert jeweils einen Wert von bis zu 30 Prozent für die Rückseite hinzu.